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Altmühlbahn (Ansbach-)Gunzenhausen-Treuchtlingen#

1978-2008: vor 30Jahren hielt der letzte Nahverkehr #

1993-2008: vor 15Jahren letzte Güterbedienung#

Die Strecke Würzburg-Ansbach-Treuchtlingen (frühere KBS 415, jetzige KBS920): von den einst 28 Stationen der 140km langen Strecke wurden 15, also mehr als die Hälfte, aufgelöst.

Den südlichsten Abschnitt zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen traf es besonders: Hier gibt es auf den rund 25km keinen einzigen Zwischenhalt mehr. Grund hierfür war ein Pilotprojekt Ende der 70er Jahre. Als erster großer Versuch in Franken (BD Nürnberg) wurde trotz intakter Hauptstrecke ein ganzer Abschnitt des Nahverkehrs von der Schiene auf die Straße verlegt. Im Frühjahr 1978 fuhren zum letzten Mal die E-Loks vom Typ 144 des Bw Würzburg mit Silberlingen und Umbauwägen die Nahverkehrszüge zwischen Ansbach und Treuchtlingen.

Anders als bei Stilllegungen von Nebenbahnen, bei der für Gemeinden und Bürger oft eine kleine beschauliche Welt zusammen brach, ging diese „Angebotsumstellung“ weitestgehend unspektakulär über die Bühne. Die Strecke wurde ja nach wie vor rege befahren und die Bahnhöfe waren aus Betriebsgründen sogar weiterhin besetzt. Für die oftmals weitab der Bahnhöfe gelegenen Orte war es sogar teilweise ein Vorteil, nun direkte Busstationen im Ort selbst zu haben. Auch die Kontenbahnhöfe Gunzenhausen und Treuchtlingen mussten wechselvolle Geschichte und Bedeutungsverluste über sich ergehen lassen.

So ist es nicht verwunderlich, dass kaum Aufnahmen und nur wenige konkrete Erinnerungen aus der Zeit zwischen 1965 und 1985 zu diesem Streckenabschnitt vorhanden sind.

1993 schlug dann auch dem Güterverkehr die letzte Stunde, nur die Holz- und Kesselverladungen in Gunzenhausen, sowie Schotter in Treuchtlingen sind übrig geblieben.

Fracht, Waren und Stückgutverkehr, auch an den Zwischenstationen Windsfeld, Markt Berolzheim und Wettelsheim, gibt es seit 15 Jahren nicht mehr.

Winterfahrplan 77/78: der letzte Fahrplan mit Nahverkehr zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen

Bahnstrecken um Treuchtlingen und Gunzenhausen Mitte der 1964

Bahnhöfe#

Treuchtlingen#

erst durch die Bahn vom Marktflecken zur Stadt gewachsen, heutige Bäderstadt mit 13000E

Ein damals wie heute klassischer Knotenpunkt zweier Hauptstrecken: Seit 1906 kreuzen sich Nürnberg-Treuchtlingen-Augsburg und Würzburg-Treuchtlingen-München. Anfang der 60er Jahre war es unter Eisenbahnern noch als großes Dampf-Bw bekannt, u.a. mit 01ern und 044ern waren legendäre Baureihen beheimatet. Selbst Züge wie der bekannte „Blaue Enzian“ machten zum Umspannen von Elektro auf Dampf oder Diesel Halt. Bis 1965 waren jedoch alle vier von dort ausgehenden Stränge elektrifiziert, so dass 1968 – trotz zusätzlicher Beheimatung von E-Loks - das Bw aufgelöst wurde.

Treuchtlinger Spezialität: Grußbemalung der Loks

Treuchtlinger Dienststellen 1970

Foto: Richard Krauß ©Stefan Carstens
Foto: Richard Krauß ©Stefan Carstens

Nahverkehr mit Schienenbus VT95 auch auf Hauptstrecken: Ausfahrt aus Treuchtlingen Richtung Gunzenhausen/Ansbach

Die Stadt an der Altmühl war neben Bw-Standort auch ein wichtiger Rangierbahnhof. 27 Gleise (1-7 für die Reisezüge) zeugen noch heute davon. Neben der Zusammenstellung von Güterzügen mussten auch viele Personen- und Eilzüge bereitgestellt werden –Treuchtlingen war häufig Start- und Zielbahhof.

Es wäre zu aufwendig, die vielen Loktypen zu benennen, die in Treuchtlingen zu sehen waren. Durch zwei auch international genutzte Strecken war - und ist - die Vielfalt groß.

1977 wurde der Rangierknoten aufgelöst, 1978 folgte der Personennahverkehr Richtung Ansbach, 1980 der Richtung Donauwörth. Dadurch ging die Bedeutung und das Verkehrsaufkommen deutlich zurück.

Erst Anfang der 90er Jahre kam wieder etwas Licht in den tristen Treuchtlinger Bahnalltag.

Mit Interregios, später mit IC/ICE-Zügen kehrte der Fernverkehr verstärkt zurück.

Der eingeführte Bayerntakt im Regionalverkehr machte den Bahnhof wieder zu einer gut frequentierten Umsteigestation inmitten der Großstädte München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg. 2004/05 wurde der Bahnhof komplett saniert und aufwendig erneuert: u.a. ein neuer Empfangsbereich inklusive Reisezentrum und Reiseshop sowie komplett neue Bahnsteige mit modernen Anzeigetafeln sowie Fahrstühlen. Auch die veralteten Gleisanlagen wurden durch neue ersetzt.

Zwischenhalte Wettelsheim, Markt Berolzheim, Ehlheim und Windsfeld-Dittenheim#

fränkische Dörfer, heute mit jeweils ca. 1000-1500E (außer Ehlheim)

Hauptsächlich Schüler und Arbeitspendler nutzten in den 60er und 70er Jahren noch die Bahn, wobei die Ströme mehrheitlich aus Richtung Treuchtlingen kommend nach Gunzenhausen-Ansbach bestanden. Bis auf den einfachen Haltepunkt Ehlheim waren die Stationen „echte“ besetzte Bahnhöfe, mit Nebengleisen, Weichen und Signalen ausgestattet.

Es wurde täglicher Stückgutverkehr abgewickelt. Wettelsheim war mit einem Ladegleis ausgestattet, Markt Berolzheim mit zwei Ladegleisen inklusive Rampe, Windsfeld mit einem Lade-, einem Überhol und später zwei Militärladegleisen.

Markt Berolzheimer Bf um 1960: mit zahlreichen Nebengebäuden ausgestattet, heute erinnert nur noch ein kleiner Teil daran

Bf Windsfeld-Dittenheim heute: zumindest äußerlich gut erhalten; man beachte die neublaue Farbgebung an Uhr und Namen, obwohl lange aufgelassen

Bis zur Elektrifizierung fuhren Treuchtlinger („Bubiköpfe“) 064er und Ansbacher VT(7)95er den Personennahverkehr. Unter Fahrdraht fuhren zunächst Nürnberger Triebwägen der seltenen Gattung ET32. Die letzten planmäßig haltenden Züge waren im Frühjahr 1978 Würzburger E44 (144) mit Garnituren aus Umbauwägen und Silberlingen.

Die vielen täglich vorbeirauschenden Züge boten dem Eisenbahner interessante Gattungen: 01, 010, 044 und V200 vor der Elektrifizierung, 110, 111, 118, 140, 150 und 194 nach der Elektrifizierung (bis in die 80er Jahre hinein).

Teilweise ein-zwei Kilometer außerhalb liegende Stationen machten es den Gemeinden vergleichsweise leicht, die Auflösungen zugunsten von mehreren Bushaltestellen in den Orten zu akzeptieren.

Nach den Auflösungen 1978 wurde bis Anfang der 90er Jahre der Güterverkehr noch aufrecht erhalten: In Wettelsheim und Windsfeld wurden landwirtschaftliche Warenhäuser beliefert und in Markt Berolzheim Kohlen sowie Zuckerrüben verladen, ehe die damalige DB Cargo sich aus der Fläche zurückzog. Diese letzten Güterjahre wurden teilweise mit sehr unterschiedlichen Loks gefahren, z.B. mit V100 (211) oder E50 (150). Definitiv letzte „Frachtfahrt“ war 2004 ein aus Panzern bestehender Militärzug aus Windsfeld (die 12km entfernte „Hahnenkammkaserne“ wurde aufgelöst). Heute sind die meisten Gleise, Signale und Gebäude abgerissen, nur Windsfeld wird - von Gunzenhausen gesteuert – als Überholbahnhof noch betrieblich ein wenig genutzt.

In heutiger Zeit von Park+Ride, Verkehrsverbund (VGN-Nürnberg) und hohem Benzinpreis sähe zumindest im Personenverkehr die Sachlage insgesamt freundlicher aus, doch dazu ist der Zug im wahrsten Sinne bereits zu lange abgefahren.

Gunzenhausen#

ehemalige Kreisstadt, heute Zentrum des „Fränkischen Seenlandes“, ca. 15000E.

Gunzenhausen war ursprünglich ein bedeutenderer Knoten als Treuchtlingen. Seit 1870 kreuzen dort Würzburg-Treuchtlingen und (Nürnberg-)Pleinfeld-Nördlingen(-Donauwörth). Diese war seinerzeit - als „König-Ludwig-Süd-Nord-Bahn“ - noch eine wichtige Strecke. Entsprechend groß war insgesamt das Verkehrs- und Umschlagsaufkommen. Die Altmühlbahn musste mit zwei scharfen Kurven an die Ludwigsbahn heran- bzw. weggeführt werden. Ab 1906 sank der Stern. Denn mit dem Lückenschluß Treuchtlingen-Donauwörth war die Bedeutung der eingleisigen Ludwigbahn schlagartig auf Nebenbahnniveau gesunken. Gunzenhausen büßte im Lauf der Jahrzehnte Bw und Gleisanlagen ein. Die einst 15 Durchgangsgleise sind heute auf ganze fünf geschrumpft.

Zwischen 1965 und 85 war die goldene Eisenbahnzeit bereits vorbei. Fernverkehr fand praktisch kaum statt. Auch heute: nach einem Zwischenhoch der 90er mit einer IR-Linie ist es heute gerade noch ein IC-Paar. Die eingesetzten Loktypen der Altmühlbahn sind wie unter „Treuchtlingen“ und „Zwischenhalte“ beschrieben. Auf der Stecke Pleinfeld-Gunzenhausen-Nördlingen waren es Augsburger ETA515, in den 60ern noch unterstützt von Treuchtlinger 064ern. Mitte der Achtziger wurden dann Augsburger und Würzburger 211/212 eingesetzt.

doppelt historisch: ein Sonderzug Ende der Achtziger – die V100(212) nebenan ist in Gunzenhausen auch schon lange Geschichte

Die Strecke aus Nördlingen hatte für Gunzenhausen nur noch Randbedeutung: V100 um 1960 auf einem Viadukt nahe Gunzenhausen-Unterwurmbach

1985 wurde der Abschnitt Gunzenhausen-Nördlingen für den Personenverkehr sogar stillgelegt (1994 für den Gesamtverkehr). Nach Pleinfeld kamen in den 90ern dann sogar noch die alten Schienenbusse (VT798 aus Hof) zum Einsatz! Heute sind es 642er DESIROs. Glücklicherweise konnte das Bayerische Eisenbahnmuseum den Nördlinger Ast übernehmen und betreibt seit einigen Jahren wieder Nostalgieverkehr auf der historisch wertvollen Strecke (KBS12990). Meist kommt eine Nördlinger 041 zum Einsatz. 2006/07 wurden die Unterführung des Gunzenhäusner Bahnhofs erweitert und Gleisanlagen erneuert.

heutiger Ist-Zustand des Streckennetzes in und um das Altmühltal

(c)2008 Steffen Seiter#

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