100jähriges Streckenjubiläum Dombühl-Rothenburg o.d.Tauber
Ein ungewöhnliches Eisenbahnereignis wurde im Spätsommer 2005 im dünn
besiedelten Westmittelfranken gefeiert:
1905-2005 - 100 Jahre Lokalbahn Dombühl – Schillingsfürst - Rothenburg o.d.T.(-Steinach),
also das 100jährige „Bestehen“ einer Bahnstrecke, die leider schon früh stillgelegt und
abgebaut wurde.
Jubiläumsveranstaltungen
Veranstaltet wurde das Ereignis am 24. Juli 2005 durch die an der Strecke anliegenden
Gemeinden, dem Kreis Ansbach, der DB Regio Mittelfranken und dem Fahrgastverband Pro-
Bahn.
Dies ist auch ein kleiner Beweis, wie liebevoll die Landgemeinden und Kleinstädte
mit ihrer Nebenbahn umgingen und auch heute noch umgehen.
Das Programm war bunt und unterhaltsam.
Es fanden mehrere Bahnhofsfeste statt, die teilweise musikalisch umrahmt wurden.
In Schillingsfürst war ein Spur 1 Nachbau des ehemaligen Kopfbahnhofes zu bewundern.
Verschiedene Sonderfahrten, etwas mit historischem Omnibus oder Straßeneisenbahn
entlang der alten Trasse verliehen der Streckenführung wieder etwas
Leben.
Die beiden Hauptanziehungspunkte der Jubiläumsfeiern waren Dombühl und
Bockenfeld.
Höhepunkt in Dombühl war die Triebwagentaufe eines Desiro 642, der
eigens zu dieser Veranstaltungs auf der zweigleisigen elektrifizierten Hauptstrecke
Nürnberg-Ansbach(- Crailsheim) nach Dombühl gekommen war. Dieser Triebwagen ist auf den
mittelfränkischen Nebenstrecken rund um Ansbach/Steinach/Gunzenhausen im
Einsatz (Stand 2005).
In Bockenfeld konnten sich die zahlreichen Besucher u.a. in einer detailliert angelegten
Ausstellung über Geschichte und Betrieb der Linie informieren.
Pro-Bahn gab mit vier Gemeinden, dem Nürnberger Verbund VGN und dem OVF
Franken eine günstige (3€) und informatives Jubiläumsheft „100 Jahre Lokalbahn
Rothenburg-Dombühl“ heraus.
Rothenburg war seit 1876 durch eine Stichbahn nach Steinach mit der Hauptstrecke
Treuchtlingen-Ansbach-Würzburg verbunden, Dombühl ein Jahr zuvor an die
Hauptstrecke Nürnberg-Ansbach-Crailsheim. Die dazwischen liegenden Gemeinden,
vor allem die Stadt Schillingsfürst, bemühten sich ab jener Zeit intensiv um eine
Verlängerung der Stichbahn bis Dombühl. Doch die topographischen Verhältnisse
schienen gerade für eine angedachte Localbahn eine Nummer zu groß, lag
Schillingsfürst doch auf der Frankenhöhe, der europäischen Wasserscheide.
So kam es zu der reizvollen Ausführung eines weiten Bogens, um über die
„Östheimer Steig“ hinauf nach Schillingsfürst zu gelangen. Dadurch konnte jedoch
Dombühl nur durch einen Schillingsfürster Kopfbahnhof erreich werden.
Die Eröffnung fand am 1.8.1905 unter reger Anteilnahme der Bevölkerung statt.
Dombühl war somit zum kleinen Knotenpunkt geworden, Rothenburg war nun auch
von Süden und Westen erreichbar.
Streifzug der Geschichte
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Reisegeschwindigkeit zwar auf 50km/h erhöht,
doch schon bald machte sich die komplizierte Streckenführung bemerkbar. Immerhin
erlebte die Strecke sogar einen Hauch von Fernverkehr: Es wurden von Stuttgart aus
regelmäßig Sonderzüge in das bei Touristen beliebte mittelalterliche Rothenburg
eingesetzt. Zwischen 1951 und 1965 gab es planmäßig den sogenannten
„Reichsstädtezug“, einen Eiltriebwagenzug (VT95), der von Rothenburg über
Dombühl nach Nördlingen (zeitweise weiter bis Augsburg-München) und zurück fuhr.
Überhaupt prägten Triebwägen oft das Bild dieser Bahn. In den 30er Jahren wurden
verschiedene Typen, z.B. Wumageinheiten VT669 oder Leichtbautriebwägen VT135,
eingesetzt. Von 1951 bis 1971 waren es dann die „Nebenbahnretter“ VT95 und
VT98, die bis zum Schluss den meisten Verkehr auf der Strecke abwickelten.
Natürlich kamen auch diverse andre Loks zum Einsatz, hier seien die Baureihen 70
und 86 bei den Dampfloks, die V100, Köf I+II bei den Dieselloks erwähnt.
Am 25.9.1971 wurde dann die Strecke für den Gesamtverkehr (Ausnahme:
Güterverkehr Rothenburg - Gebsattel) stillgelegt. Letztendlich war die durch die
Topographie notwendige Trasse viel länger als die Straßenverbindungen; die
Spitzkehre in Schillingsfürst führte zu umständlichen „Kopf-machen“ – dadurch war
die Bahnlinie nicht mehr konkurrenzfähig.
Wie bei der Eröffnung nahm auch beim Ende die Bevölkerung großen Anteil,
teilweise wurde zum Zeichen der Trauer schwarz beflaggt bzw. musikalisch
unterstrichen.
Bereits in den Folgejahren wurde die Strecke abgebaut, heute ist sie teilweise als
Radweg „Alte Bahnstrecke“ zu befahren.
Nachsatz
Mehr Informationen zur Jubiläumsveranstaltung und zur Strecke sind auch im
Internet unter
http://www.muswies.de
zu finden.
Für eine ausführliche Betrachtung der Strecke mit all ihren Facetten sei die Festschrift vom ProBahn-Verlag "100Jahre Lokalbahn Rothenburg-Dombühl" (Foto oben) empfohlen,
die in Restbeständen noch bei ProBahn-Mittelfranken oder im Gebrauchthandel beziehbar ist.
Die Quellen dieses Berichtes beziehen sich aus persönlichen Recherchen vor Ort,
Erfahrungsberichten anderer, begleitender Literatur, Fahrplänen und dem Internet.
Übrigens auch für den Modellbahner ein überaus reizvolles Thema!
Eine Verbindung zweier wichtiger Hauptbahnen, eine Spitzkehre als Kopfbahnhof,
sowie eine bedeutende mittelalterliche Stadt – und das alles auf einer (beim Vorbild
nur 25km) kurzen Nebenbahn.
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